Music and Resistance

Bourgeoisie and Fascism in Italy, Notes on the Symphony „Resistenza“, Op. 39 – Dr. Alfred Huber

Music and Film in the 3rd part of the 1st movement of the Symphony „Resistenza“

The relationship between bourgeoisie and Fascism in Italy is a complex topic. Harbingers of this „fatal affair“ could already be seen at the end of the 19th century. Strictly speaking, the discussion about it continues to this day, and its consequences remain deeply embedded in the social, economic, and political conditions of the country. The Rise of Italian Fascism, a movement initiated by Benito Mussolini was founded in 1919, cannot be fully understood without a thorough analysis of the role of the bourgeoisie. This article highlights the interactions between these two forces and examines how the bourgeoisie and fascism both observed each other with suspicion and conditioned one another.

The bourgeoisie in Italy before the First World War

The bourgeoisie in Italy, also known as „Bourgeoisie“ refers to the social class situated between the former „lower classes“ and the aristocracy. It primarily comprises the urban middle class, to which wealthy and educated citizens belong, who are often active in areas such as trade, industry, finance, administration, and the liberal professions. Historically, the the bourgeoisie and its propensity for secular liberalism a central role in the economic development and political culture of the country, particularly in the context of 19th-century national unification and economic modernization.

It is no exaggeration to say that the The Italian bourgeoisie was the driving force behind the liberal and nationalist movements of the 19th century, which led to the unification of Italy led, without ever having found a political home in the sense of a party-political affiliation. In the 20th century, also due to this lack, it represented an influential social group which, however, assumed different roles in various political contexts, such as Italian fascism or the post-war period.

Until its unification in 1861, Italy was fragmented into several small states and kingdoms.. This fragmentation meant that there was no uniform bourgeoisie, but rather many regional elites, which often saw themselves in competition with each other. This Italian bourgeoisie (provided one can speak of an Italian bourgeoisie in the singular at all, given the extraordinary cultural, economic, and political heterogeneity) remained not only insufficiently politically mobilized, but above all also three-column between Liberal Nation-builders and the two system oppositions of the Republicans and the Clerical.

Anticlericalism as a political link

Common to at least the first two of these groups initially was the rejection of church influence on less educated (mostly illiterate) strata, whose political weight was called into question by most members of this bourgeoisie. A working class, such as already existed in mid-19th-century England or France, did not yet exist due to the late onset of industrialization. Accordingly It took a long time until universal suffrage was introduced in the new state, which at times was even tied to the voters' level of education.. Parallel to the gradual introduction of universal suffrage, it was therefore also necessary to fight against (estimated at up to 75% comprehensive of the population) illiteracy to be led.

Economic growth in Italy also experienced large fluctuations due to the varying distribution of illiteracy from region to region, and the Disparities between Northern and Southern Italy exacerbated social tensions. World War I intensified these uncertainties as the Italian economy was subjected to severe strains and the wartime experiences led to widespread frustration.

The Bourgeoisie and the Rise of Fascism in Italy

Fascism in Italy arose in a climate of politischen Instabilität und wirtschaftlicher Unsicherheit. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erlebte Italien eine Phase intensiver sozialer Unruhen, bekannt als das „biennio rosso“ (rote Biennium), während der es zu zahlreichen Streiks, Landbesetzungen (siehe Artikel über die Agrarpolitik der Faschisten) und Aufständen kam. Das Bürgertum, welches um seine wirtschaftliche Stellung und seine Privilegien fürchtete, blickte sorgenvoll auf den entstehenden Sozialismus und die Arbeiterbewegung. und hier war man sich über alle politischen Gräben hinweg überraschend einig. Klerikale wie Liberale konnten in der sozialistischen Bewegung nichts anderes als den „Untergang des Abendlandes“ sehen.

The italienische Faschismus erschien daher vielen Mitgliedern des Bürgertums als eine attraktive Alternative zu den als staatsgefährdend empfundenen sozialistischen Kräften. Benito Mussolini, ursprünglich ein sozialistischer Journalist, wandte sich dem schon von liberaler Seite propagierten Nationalismus zu. Gewalt als Mittel zur Erreichung politischer Ziele wurde so nebenbei als machtpolitische Conditio sine qua non verkauft. Auf dieser Basis versprach er eine starke Regierung, die in der Lage sei, Ordnung zu schaffen, die Wirtschaft zu stabilisieren and the sozialen Konflikte zu beenden.

Das Bürgertum unterstützte den italienischen Faschismus häufig aus pragmatischen Gründen. Viele Industrielle und Großgrundbesitzer sahen in Mussolini einen Verbündeten, der die Arbeiterbewegung unterdrücken und die Interessen des Kapitals schützen würde. Auch Teile der städtischen Mittelschicht, die sich von der Wirtschaftskrise und den sozialen Unruhen bedroht fühlten, schlossen sich der faschistischen Bewegung an, in der Hoffnung auf Stabilität und eine Rückkehr zu traditionellen Werten.

Die faschistische Herrschaft und das Bürgertum

Nach der Machtübernahme 1922 begann Mussolini, den italienischen Staat nach faschistischen Prinzipien umzugestalten. Der italienische Faschismus propagierte einen totalitären Staat, in dem das individuelle und wirtschaftliche Leben vollständig der Kontrolle des Regimes unterworfen war. Die Ermordung des sozialistischen Abgeordneten Giacomo Matteotti durch Faschisten 1925 wurde und wird als der Übergang vom parlamentarischen Italien zur Diktatur gesehen. Obwohl das Bürgertum anfänglich die faschistische Bewegung unterstützt hatte, änderte sich die Beziehung nicht nur im Laufe der Zeit, sondern gerade auch durch einschneidende Ereignisse wie eben diese offene Anwendung individueller Gewalt in quasi staatlichem Auftrag. 

Mussolini führte eine Politik der „corporazione“ ein, die darauf abzielte, Arbeitgeber und Arbeitnehmer in staatlich kontrollierten Berufsverbänden zu organisieren, um Klassenkonflikte zu überwinden. Dies bedeutete, dass die wirtschaftlichen Freiheiten des Bürgertums zunehmend eingeschränkt wurden, da der Staat in das wirtschaftliche Leben in nicht mehr zu tolerierender Weise eingriff. Die Autarkiepolitik (siehe Battaglia per il grano) und die Kriegswirtschaft während des Zweiten Weltkriegs im italienischen Faschismus brachten zusätzliche Belastungen, die vor allem die bürgerlichen Unternehmen hart trafen.

Die Begeisterung des Bürgertums für den italienischen Faschismus nahm schließlich nicht nur Schritt für Schritt ab, Teile davon wandten sich auch in Form von Partisanengruppen direkt und unmittelbar gegen ihn. Als sich nach der Badoglio-Erklärung am 8.9.1943 die verschiedensten politischen Gruppen im Widerstand fanden, war auch das klerikale und liberale Bürgertum vertreten (z.B.Brigate OSOPPO-Friuli).
 

Fazit: Eine komplexe Beziehung

Die Beziehung zwischen Bürgertum und Faschismus in Italien war von Anfang an ambivalent. Grundsätzlich stand der italienische Faschismus in seiner antiklerikalen Haltung vielen liberalen Ansichten gefährlich nahe. Auch die Ablehnung von Sozialismus muss vielen Angehörigen des Bürgertums aus der Seele gesprochen haben. Während also Teile des Bürgertums den Faschismus als Bollwerk gegen den Sozialismus und Garant für Ordnung begrüßten, führte die autoritäre und interventionistische Politik des Regimes letztlich aber zu Spannungen und Entfremdung. Das Bürgertum unterstützte Mussolini so lange, wie seine Politik ihren Interessen diente, doch als der italienische Faschismus zunehmend seine destruktive und totalitäre Natur offenbarte, zog sich ein Teil der bürgerlichen Klasse zurück oder wandte sich offen gegen ihn.

Die Geschichte des Bürgertums und des Faschismus in Italien zeigt, wie populistische Bewegungen komplexe soziale und wirtschaftliche Kräfte mobilisieren können, aber auch, wie fragil Allianzen in Zeiten des Wandels und der Krise sein können. Die Lehren aus dieser Zeit erinnern uns daran, dass die Unterstützung für autoritäre Regierungen oft auf kurzfristigen Interessen basiert, die jedoch langfristig schwerwiegende Folgen haben können.

Bürgertum und Arbeiterschaft in der Symphonie (die Nähe des Bürgertums und des Faschismus als Ausdruck des Klassenkampfs)

Das Bürgertum in seiner Gier erklärt sich eigentlich nur über den Antipoden, die Arbeiterschaft. Beide beäugen sich misstrauisch und der Nutzniesser ist die Apotheose von Gier und Neid, der Faschismus. Von beiden Gesellschaftsschichten bezieht der Faschismus sein energetisches Potenzial. In unserer Symphonie bezieht das Bürgertum sein melodisches Material aus dem Krebsgang des Sozialistensongs „Avanti popolo“. Die beiden Antipoden geraten heftigst aneinander und bilden so den dramaturgischen Höhepunkt des Satzes. Nirgendwo sonst ist die drohende Apokalypse so immanent. 

Im Film wird der langsam menschlicher anmutende Baummensch von immaginären Händen am Boden gehalten. Ein Fortkommen zur Befriedigung seiner Gier ist nicht mehr möglich.

„So wie sich unser Auge nicht richtet in die Höhe und haften blieb an irdschen Dingen, so drückt es hier Gerechtigkeit zu Boden.

Und wie der Geiz den Hang zur Güte tilgt und sich verlor der Wunsch zu handeln, so hält Gerechtigkeit uns hier ganz nieder,

An Hand und Fuß gebunden und gefangen; solang es dem gerechten Herrn gefällt, so bleiben wir fixiert und ausgestreckt.“

Divina comedia, Dante Alighieri, Purgatorio Canto XIX