Was Dante, Oper und moderne Filme über Maßlosigkeit verraten
Völlerei ist mehr als zu viel Essen nach den Feiertagen. Sie ist ein kulturelles, psychologisches und gesellschaftliches Phänomen, das seit Jahrhunderten Künstler, Philosophen und Theologen beschäftigt.
Eine Episode des Podcasts „Schallwelten“ nähert sich der Todsünde der Völlerei auf ungewöhnlich tiefgehende Weise – mit Blick auf Literatur, Musik, Theologie und moderne Filmkunst.
Dieser Beitrag fasst die zentralen Gedanken zusammen, ordnet sie ein und zeigt, warum Völlerei auch heute noch ein Schlüsselthema für unser Verhältnis zu Genuss, Konsum und innerer Leere ist.
Völlerei in der Literatur: Dante und das gestörte Maß
Die Divina Commedia als moralischer Spiegel
In Dantes Divina Commedia erscheint Völlerei nicht als bloßes Laster, sondern als Ausdruck eines verlorenen Maßes. Besonders im Purgatorium (Läuterungsberg) wird deutlich:
Völlerei ist kein endgültiges Urteil, sondern ein Zustand, der überwunden werden kann.
Auf der sechsten Terrasse leiden die Seelen an Hunger und Durst – während sie von Früchten und Wasser umgeben sind. Dieses Paradox macht klar:
Nicht der Körper ist das Problem, sondern das fehlgeleitete Begehren.
Zentrale Gedanken bei Dante
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Völlerei als Lernprozess: Entbehrung dient der geistigen Schulung
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Maßhalten statt Unterdrückung: Begehren soll neu ausgerichtet, nicht ausgelöscht werden
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Der Körper als Lernort: Moral wird leiblich erfahren, nicht abstrakt gelehrt
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Theologische Perspektiven: Thomas von Aquin und die feinen Abstufungen
Der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin analysierte Völlerei erstaunlich differenziert. Für ihn war Maßlosigkeit nicht nur eine Frage der Menge, sondern auch des Wie und Warum.
Die fünf Formen der Völlerei nach Thomas von Aquin
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Zu frühes Essen
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Zu luxuriöses oder teures Essen
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Zu viel Essen
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Hastiges oder gieriges Essen
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Übertriebene Wählerischkeit und Genussfixierung
Diese Einteilung wirkt bis heute aktuell – besonders in einer Gesellschaft permanenter Verfügbarkeit.
Eine emotionale Dimension erhält Dantes Darstellung durch Forese Donatti, dessen Erlösung nicht durch Askese allein, sondern durch die Fürbitte seiner Frau beschleunigt wird.
Hier zeigt sich: Beziehung und Fürsorge sind ebenso wichtig wie Disziplin.
Völlerei als gesellschaftliches Phänomen: Konsum, Leere und Ungleichheit
Von der Todsünde zum Systemproblem
In der modernen Konsumgesellschaft ist Völlerei längst kein individuelles Randphänomen mehr. Übermaß wird zur Normalität – oft als Ersatz für Sinn, Anerkennung oder Trost.
Zentrale Aspekte:
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Völlerei als Symptom innerer Leere
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Überkonsum als Identitätsersatz
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Globale Ungleichheit: Überfluss hier, Mangel anderswo
Völlerei wird so zum Spiegel struktureller Ungerechtigkeit – nicht nur beim Essen, sondern auch bei Ressourcen, Energie und Aufmerksamkeit.
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Völlerei in der Musik: Exzess, Rausch und Vergänglichkeit
Carmina Burana – der kollektive Rausch
Carl Orffs Carmina Burana vertont mittelalterliche Texte über Trinken, Glück und Maßlosigkeit.
Die Musik ist rhythmisch, direkt und bewusst simpel – sie spiegelt den kollektiven Rausch, nicht dessen Reflexion.
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Trinklieder als Klang gewordene Völlerei
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Monotonie und Steigerung als musikalisches Prinzip
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Reduktion statt Komplexität als künstlerisches Mittel
La Traviata – Genuss und Zerbrechlichkeit
In Verdis La Traviata steht das berühmte Trinklied „Libiamo ne’ lieti calici“ für Lebensfreude – aber auch für ihre Vergänglichkeit.
Der Exzess ist hier gesellschaftlich akzeptiert, ja erwartet – und zerstört dennoch das Individuum.
Psychologische Perspektive: Völlerei als Selbstbestrafung
„The Whale“ – wenn Essen zur Waffe gegen sich selbst wird
Der Film The Whale (Darren Aronofsky) zeigt Völlerei nicht als Genuss, sondern als Form der Selbstzerstörung.
Der Protagonist isst nicht aus Lust, sondern aus Schuld, Trauer und Selbsthass.
Wichtige Einsichten:
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Maßlosigkeit als Ausdruck ungelöster Konflikte
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Kontrolle allein führt nicht zur Heilung
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Ehrlichkeit und Mitgefühl als erste Schritte zur Erlösung
Hier wird deutlich: Völlerei ist oft Symptom, nicht Ursache.
Fazit: Völlerei als Suche nach Balance
Ob bei Dante, in der Oper oder im modernen Film – Völlerei erzählt immer dieselbe Geschichte:
die Suche des Menschen nach Maß, Sinn und innerer Ordnung.
Was wir daraus lernen können
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Maßhalten ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn an Klarheit
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Genuss braucht Bewusstsein, um erfüllend zu sein
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Kultur hilft, individuelle Probleme gesellschaftlich zu verstehen
Empfehlung:
Nutze Literatur, Musik und Film nicht nur zur Unterhaltung, sondern als Spiegel für das eigene Leben.
Motto:
„Genau zuhören, nichts überhören – und auch nicht zu viel essen.“