Musik und Musikleben im Nationalsozialismus
Musik spielte im Nationalsozialismus eine zentrale Rolle – sie war weit mehr als bloße Unterhaltung. Das Regime erkannte früh die Macht der Musik als politisches Instrument und nutzte sie gezielt zur gesellschaftlichen Beeinflussung. Die nationalsozialistische Führung setzte Musik strategisch ein, um ihre Ideologie zu verbreiten und die Bevölkerung zu mobilisieren. Dabei förderte sie bestimmte Werke aktiv, während sie andere Formen von Musik rigoros unterdrückte.
Das Thema bleibt bis heute relevant, weil es zeigt, wie leicht sich Kultur politisch instrumentalisieren lässt. Es mahnt uns, wachsam gegenüber Zensur, Propaganda und ideologischer Manipulation zu bleiben. Wer sich mit dieser Zeit auseinandersetzt, versteht besser, wie Kunstfreiheit und politische Kontrolle aufeinanderprallen können. Zugleich erinnert uns die Geschichte daran, dass Musik nicht nur zur Unterdrückung, sondern auch zum Widerstand dienen kann. Deshalb ruft die Erinnerung an das Musikleben im „Dritten Reich“ dazu auf, die Freiheit der Kultur zu schützen.
Ideologie und Musik im Dritten Reich
Die nationalsozialistische Musikästhetik beruhte auf einem scharfen Gegensatz: Auf der einen Seite stand die „deutsche Musik“, die angeblich die „arteigene Volksseele“ verkörperte, auf der anderen die „entartete Musik“, die das Regime als fremd, dekadent oder „jüdisch-bolschewistisch“ brandmarkte. Diese Einteilung folgte keiner künstlerischen, sondern einer politischen Logik. Sie diente dazu, kulturelle Reinheit zu propagieren und jede Form von Andersartigkeit auszugrenzen.
Die NS-Führung setzte Musik gezielt als Propagandainstrument ein. Ihre Musikpolitik sollte eine „ideologisch korrekte“ Musikkultur schaffen, die das Gemeinschaftsgefühl stärkte und den Nationalsozialismus verherrlichte. Der Begriff „arteigene Musik“ wurde zum ideologischen Schlagwort. Damit bezeichneten Funktionäre Musik, die ihrer rassistischen Ideologie entsprach und angeblich die „deutsche Kultur“ verkörperte. Gleichzeitig verfolgte die Regierung andere Musikstile aktiv – vor allem Jazz, Swing und Werke jüdischer Komponisten.
Institutionen und Kontrolle
Um die Musiklandschaft zu steuern, gründete das Regime zahlreiche Institutionen. Die Reichsmusikkammer entschied über Mitgliedschaften, Berufsverbote und Aufführungen. Musiker, die das Regime als „unerwünscht“ einstufte, verloren ihre Arbeit oder durften nicht mehr auftreten. Joseph Goebbels lenkte als Propagandaminister viele dieser Prozesse, während Komponisten wie Richard Strauss oder Carl Orff die Musikpolitik zum Teil mitgestalteten oder davon profitierten.
Die sogenannte Gleichschaltung brachte die gesamte Kultur unter staatliche Kontrolle. Die NS-Behörden erzwangen eine völlige Vereinheitlichung des Musiklebens. Wer nicht zur Ideologie passte, verlor seine Bühne. Der Kulturbund Deutscher Juden bot zwar jüdischen Künstler:innen begrenzte Möglichkeiten, weiterhin aufzutreten, blieb aber eine isolierte Ausnahme und diente letztlich der Kontrolle.
Musikgenres und Stile im Nationalsozialismus
Das Regime nutzte Musik, um die Gesellschaft gezielt zu beeinflussen. Es unterschied klar zwischen „arteigener“ und „entarteter“ Musik. Diese Trennung beruhte weniger auf ästhetischen als auf rassistischen und politischen Vorstellungen.
E-Musik (Klassik)
Im Bereich der klassischen Musik verfolgte die NS-Führung eine „deutsche Linie“. Komponisten wie Richard Wagner, Ludwig van Beethoven, Carl Orff und Werner Egk galten als Vorbilder. Ihre Werke sollten nationale Stärke und „Volksgeist“ symbolisieren. Viele Komponisten schrieben im Auftrag des Regimes oder passten ihre Werke ideologisch an. Uraufführungen fanden nur nach Genehmigung statt, und Musikwissenschaftler rechtfertigten diese Politik mit pseudowissenschaftlichen Argumenten. Jazz, Zwölftonmusik und Werke jüdischer Künstler verschwanden hingegen aus den Spielplänen.
U-Musik (Unterhaltungsmusik)
Auch Unterhaltungsmusik – Schlager, Tanzmusik und Filmmusik – spielte eine wichtige Rolle. Das Regime nutzte sie, um die Bevölkerung zu unterhalten und zugleich ideologisch zu beeinflussen. Dabei zensierten die Behörden viele Genres. Jazz und Swing diffamierten sie als „Niggermusik“ und verboten sie offiziell. Trotzdem entwickelte sich in den Städten eine Swing-Jugend, die diese Musik heimlich weiterlebte und tanzte. Rundfunk und Film dienten der Propaganda, doch auch dort blieb Raum für populäre Musiker, die sich dem Regime anpassten.
Übersicht: Musik und Kontrolle im NS-Staat
| Kategorie | Beispiele / Akteure | Merkmale und Funktionen |
|---|---|---|
| E-Musik (Klassik) | Wagner, Beethoven, Orff, Egk | Gefördert, ideologisch überhöht, wissenschaftlich legitimiert |
| U-Musik (Unterhaltung) | Schlager, Tanz-, Filmmusik | Populär, aber zensiert und propagandistisch genutzt |
| Verbotene Musikstile | Jazz, Swing | Verfolgt, als „entartet“ diffamiert, Subkulturen im Untergrund |
| Wichtige Akteure | Goebbels, Strauss, Orff | Steuerung und Kontrolle der Musikpolitik |
Jugendkultur und verbotene Musik
Nicht alle Jugendlichen akzeptierten die staatliche Kontrolle. Die Swing-Jugend bildete eine lebendige Subkultur, die sich offen gegen den staatlichen Musikgeschmack stellte. Trotz Überwachung trafen sich junge Menschen heimlich, hörten Jazz, tanzten Swing und lehnten die Konformität des Regimes ab. Ihre Musik wurde zum Symbol für Freiheit und Widerstand. Obwohl die Gestapo viele dieser Gruppen zerschlug, prägte ihr Mut die Nachkriegskultur nachhaltig.
Nach dem Zusammenbruch
Nach 1945 begannen Musiker und Wissenschaftler, die Rolle der Musik im Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Viele belastete Werke verschwanden zunächst aus den Konzertsälen. Gleichzeitig kehrten verbotene Kompositionen – etwa von Mendelssohn, Schönberg oder Krenek – langsam zurück. Die Diskussion darüber, wie man mit der Vergangenheit umgeht, hält bis heute an. Historiker und Kulturschaffende fordern, Verantwortung zu übernehmen und die Mechanismen totalitärer Kontrolle offenzulegen.
Fazit: Lehren aus der Musik im Nationalsozialismus
Die Geschichte zeigt eindringlich, dass Musik sowohl ein Werkzeug der Macht als auch ein Mittel des Widerstands sein kann. Sie erinnert uns daran, dass Künstler:innen Verantwortung tragen, wenn sie in politischen Systemen agieren. Musik kann Gesellschaften prägen, manipulieren oder befreien – je nachdem, wer sie nutzt. Deshalb bleibt es entscheidend, Kunstfreiheit zu verteidigen und jede politische Instrumentalisierung von Kultur kritisch zu hinterfragen. Nur so kann Musik Ausdruck von Vielfalt, Freiheit und Menschlichkeit bleiben.
Unser Team
Das ist Johannes
Die Liebe zu Film und Musik besteht schon sein ganzes Leben.
Schon in der Jugend hat er sich dazu entschlossen, das Filmemachen der Musik vorzuziehen. Durch dieses Projekt hat er nun einen Weg gefunden, auch in der Welt der klassischen Musik seinen Beitrag leisten zu können.
Das ist Dominik
Ein witziger, etwas verschrobener Charakter mit großer Liebe zum Detail.
In seiner Freizeit beschäftigte er sich schon in seiner Jugend intensiv mit Zügen. Es gibt keine Baureihe oder Modellnummer, die er nicht kennt. Seinen Beitrag in diesem Projekt leistet er durch das Anfertigen einiger 3d Objekte, welche für diesen Film benötigt werden. Bei dieser Aufgabe kommt sein Blick für das Detail besonders gut zum Einsatz!