Notizen zum Schaffensprozess meiner Symphonie „Resistenza“
Musik als politischer Ausdruck
Musik und Politik: die Symphonie „Resistenza“ entstand aus dem Bedürfnis heraus, musikalisch auf die politischen und gesellschaftlichen Erschütterungen unserer Zeit zu reagieren. Der brutale Überfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 zerstörte die bis dahin bestehende Gewissheit einer stabilen westlichen Wertegemeinschaft. Dieser historische Bruch führte mich zu einer tiefgreifenden künstlerischen Auseinandersetzung.
Schon zuvor hatte Politik meine Musik beeinflusst: Mit der Komposition Op.18 „(Re)actio“ verarbeitete ich die medialen Kommunikationsmechanismen während des Irakkriegs. Diese Werke markieren eine klare Linie, wie äußere Ereignisse mein Schaffen prägen.
Kann Musik politisch sein?
Musik an sich ist in reiner Form unpolitisch. Erst in Verbindung mit Text oder Literatur entsteht eine klare politische Botschaft. Beispiele dafür sind die Lieder „Avanti popolo“ oder „Giovinezza“, deren Sprengkraft allein aus den Texten resultiert.
Mein Freund und Kollege Christoph Campestrini hat in einem Blogbeitrag herausgearbeitet, wie Musik durch Literatur, Symbolik und Aufführungspraxis politische Dimensionen erhält – etwa im War Requiem von Benjamin Britten, wo die Besetzung bereits politisches Statement war.
Die Entstehung der Symphonie „Resistenza“
Ursprünglich plante ich eine klassische viersätzige Symphonie. Doch rasch wurde klar, dass diese Form für eine politische Aussage ungeeignet schien. Stattdessen wählte ich einen anderen Weg: eine Verbindung von Musik, Bildern und Film, inspiriert von der Dreiteilung in Dantes „Göttlicher Komödie“ – Inferno, Purgatorio und Paradiso.
Dabei ergab sich eine enge Zusammenarbeit mit meinem Sohn Johannes, der an der FH Hagenberg „Digital Arts“ studiert. Gemeinsam entwickelten wir ein Drehbuch für eine Animation, die nicht als bloße Illustration, sondern als gleichwertiger künstlerischer Partner zur Musik wirken sollte. Ganz nach dem Motto: „Prima la musica“.
Kunst als Widerstand
Die Symphonie „Resistenza“ versteht sich als künstlerischer Widerstand gegen Krieg, Zerstörung und politische Manipulation. Musik allein mag unpolitisch sein – doch in Verbindung mit Bildern, Literatur und Geschichte entfaltet sie eine Kraft, die weit über den Konzertsaal hinausgeht.
Weiterlesen: Musik als Selbstvergewisserung (Teil 2)