Is film music classical music? – Schallwelten Episode 40 of August 17, 2026

What would a car chase be without driving music? And would a love scene have the same effect if it were accompanied by threatening tones? Even these two questions show: music doesn't just accompany a film. It changes how we understand its images.

In Sound Worlds Episode 40 Alfred and Johannes are talking about film music and classical music. Their guiding question is: Are the two the same as soon as a large orchestra plays? The short answer: not automatically. However, both areas can overlap.

„However, the casual statement that film music is classical music cannot be left as it is.“

– Alfred

The short answer first

  • Film score is composed for a film or selected for it. Their most important task is to support the visuals and the plot.
  • Classical music belongs to a long musical tradition. Many of their works were written for the concert hall and follow a structure of their own.
  • Both can come together: A film score can use classical techniques, and a work by Schubert can suddenly take on a new meaning in a film.

So it is not about which music is „better“. What matters is its origin, its structure, and its function. The article about absolute music in sound worlds episode 29 explains the conceptual background.

How film music came to the cinema

The first films did not yet have a recorded soundtrack. Therefore, a pianist often sat in the cinema. He selected suitable pieces, drowned out the clatter of the projector, and gave the images more emotion.

In 1908 Camille Saint-Saëns wrote music for The Assassination of the Duke of Guise. He tailored it precisely to the individual scenes. The work is considered one of the earliest film scores by a composer who was already famous at the time.

Later, directors and composers worked more and more closely together. A well-known example are Sergei Eisenstein and Sergei Prokofiev with Alexander Nevsky and Ivan the Terrible. More information can be found in the article about the History of film music.

How music changes our view of images

Let's imagine an empty house. Soft strings might make it feel cozy. Deep, unsettling tones make that same house seem dangerous. The images remain the same – but their meaning changes.

A simple classification shows three possibilities:

  • The music enhances the image Fast music accompanies a car chase, for example.
  • The music interprets the image – Polarization: Only the music decides whether the empty house feels welcoming or threatening.
  • The music contradicts the image – contrapuntal use: A cheerful melody accompanies a violent scene, thereby creating irony or unease.

Five terms explained simply

  • Score: film score.
  • Mood: Music that primarily creates a mood.
  • Underscoring: Music that follows the action very closely.
  • Mickey Mousing a particularly precise form of underscoring. Almost every movement gets a matching sound. The article on this shows more about Music in animation.
  • Leitmotif a short melody or sequence of notes that is consistently associated with the same character or idea – such as the shark motif in Jaws.

If a radio is playing in a scene, the characters also hear the music. There is a technical term for this diegetic music. Music that only the audience hears is called nondiegetic. Der Beitrag über die Wirkung von Musik im Film erklärt beide Formen ausführlicher.

Eyes Wide Shut spielt mit diesem Unterschied. Schostakowitschs Walzer wirkt zuerst wie Musik nur für das Publikum. Dann schaltet Bill die Anlage aus. Jetzt erkennen wir: Der Walzer lief die ganze Zeit im Raum.

Wie klassische Musik ihre eigene Geschichte erzählt

Bei einer Filmszene geben Bilder und Schnitt oft vor, wie lange die Musik dauert. Ein Konzertstück kann seine Zeit dagegen selbst einteilen. Es stellt musikalische Gedanken vor, verändert sie und führt sie später zurück.

Die Sonatensatzform zeigt dieses Prinzip besonders deutlich. Ihr Ablauf lässt sich einfach zusammenfassen:

  1. Vorstellen – Exposition: Wir lernen die wichtigsten musikalischen Themen kennen.
  2. Verändern – Durchführung: Die Themen wandern, werden geteilt und neu zusammengesetzt.
  3. Zurückkehren – Reprise: Bekanntes Material kehrt wieder, klingt nun aber anders als am Anfang.

Mozarts Klaviersonate C-Dur KV 545 ist ein gutes Hörbeispiel. Zuerst stellt Mozart klare musikalische Gedanken vor. Dann verändert er sie und führt sie durch neue Tonarten. Am Ende kehren sie zurück. Auch ohne Fachwissen hört man: Die Musik ist aufgebrochen und wieder nach Hause gekommen.

Das bedeutet nicht, dass Filmmusik keinen eigenen Aufbau besitzt. Sie richtet sich nur häufiger nach Bild, Schnitt und Länge einer Szene. Folge 40 führt damit die Gedanken aus Schallwelten Folge 38 weiter.

Warum ein bekanntes Musikstück mehr erzählen kann

Hinweis: Die folgenden Beispiele enthalten leichte Spoiler zu „Füxe“ und „Barry Lyndon“.

„Wenn ich weiß, worüber oder in welchem Kontext ein Stück geschrieben wurde und die Geschichte dahinter kenne, kann ich als Künstler oder Regisseur mit dieser Musik in einen Austausch kommen oder eine Beziehung zu ihr herstellen.“

– Johannes

Johannes zeigt das an der ZDF-Serie Füxe. Der Student Adem Kameri gibt seine kosovarische Herkunft nicht preis. So bekommt er ein günstiges Zimmer in einem Corps und hofft auf bessere berufliche Chancen. Doch die falsche Identität bringt ihn in einen Konflikt zwischen Aufstieg, Freundschaft und Zugehörigkeit.

In einer wichtigen Szene erklingt Schuberts Vertonung von Wilhelm Müllers „Gute Nacht“. Das Lied gehört zur Winterreise, die Schubert 1827 komponierte und die 1828 veröffentlicht wurde. Die erste Zeile passt auffallend zu Adem: „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.“

Das Lied bringt mehr in die Szene als Traurigkeit. Es erinnert an Fremdsein, Heimat und Zugehörigkeit. Das ist eine heutige Lesart des Films – keine Behauptung über Schuberts persönliche Absicht.

„Die Musik sagt nicht nur: ‚Das hier ist ein trauriger Abschied.‘ Sie sagt gewissermaßen: ‚Diese Geschichte von Fremdheit und Zugehörigkeit ist älter als diese eine Figur. Sie steht in einem größeren kulturellen Zusammenhang.‘“

– Johannes

„Barry Lyndon“: falsche Zeit, richtige Wirkung

Stanley Kubricks Barry Lyndon spielt im 18. Jahrhundert. Trotzdem verwendet Kubrick Schuberts Klaviertrio Es-Dur D 929, op. 100 aus dem Jahr 1827. Das Stück stammt also aus einer späteren Zeit. Einen solchen Zeitfehler nennt man Anachronismus.

Hier ist dieser Anachronismus bewusst gewählt. Kubrick sagte in einem Interview über Barry Lyndon, dass er in der Musik des 18. Jahrhunderts nicht das passende tragische Liebesthema gefunden habe. Schuberts Musik klingt zärtlich, trägt aber bereits Trauer in sich. Dadurch ahnen wir früh, dass die Beziehung zwischen Barry und Lady Lyndon scheitern wird.

Kubrick kannte den Zeitunterschied und nutzte ihn bewusst. Historische Genauigkeit war ihm hier weniger wichtig als die Wirkung der Szene.

Ist Filmmusik nun klassische Musik?

Manchmal ja, manchmal nein – und oft ist diese Einteilung gar nicht die wichtigste Frage. Drei einfache Fragen helfen beim genauen Hinhören:

  • Wurde die Musik eigens für den Film geschrieben oder aus einem älteren Werk übernommen?
  • Wie ist die Musik aufgebaut?
  • Was bewirkt sie in Verbindung mit den Bildern?

Ein Filmscore kann klassische Instrumente und Formen verwenden. Er bleibt trotzdem Musik, die für einen Film geschaffen wurde. Schuberts Klaviertrio bleibt klassische Musik. In Barry Lyndon erfüllt es zusätzlich die Aufgabe von Filmmusik. Gerade diese Doppelrolle macht die Szene so stark.

„Filmmusik ist tatsächlich zunächst einmal funktional, aber mit dem richtigen Fingerspitzengefühl vertieft sie die dramatische Aussage und diese wiederum gibt der Musik ihre Absolutheit zurück.“

– Alfred

Einfach gesagt: Gute Filmmusik dient der Szene und kann trotzdem auch für sich allein bestehen.

Die Musik in Schallwelten Folge 40

  • Camille Saint-Saëns: The Assassination of the Duke of Guise, gespielt vom Ensemble Musique Oblique.
  • Sergej Prokofjew: Filmmusiken aus der Zusammenarbeit mit Sergej Eisenstein.
  • Maurice Jarre: Musik zu David Leans Doktor Schiwago.
  • Wolfgang Amadeus Mozart Klaviersonate C-Dur KV 545, gespielt von Leon McCawley.
  • Franz Schubert: „Gute Nacht“ aus der Winterreise und das Klaviertrio Es-Dur D 929, op. 100, gespielt vom Trio La Gaia Scienza.
  • Dmitri Schostakowitsch: Walzer Nr. 2 aus der Suite für Varieté-Orchester in Eyes Wide Shut, gespielt vom Russian State Symphony Orchestra unter Dmitry Yablonsky.

Ein Hörtest für den nächsten Film: Was würde eine Szene ohne ihre Musik bedeuten – und was verändert sich, sobald die Musik einsetzt?